Hochmut

1.1 Ursprung des Hochmuts

Von Anfang an sündigte der Teufel gegen den HERRN, in dem er sein Herz über ihn erhob. Bis Gott in ihm Unrecht fand, war er von dem Tage an, an dem er erschaffen wurde vollkommen, in all seinen Wegen. Ein glänzender Cherub, der Gottes Heiligtum bewahren musste und als Musikerengel, einen priesterlichen Dienst im himmlischen Tempel verrichtete. Doch in seinem Herzen dachte er: (Jes. 14.13-14) „13 Und du, du sprachst in deinem Herzen: "Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thronerheben, und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. 14Ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleichmachen dem Höchsten."
In dieser Rebellion gegen die Erhabenheit Gottes und seiner über alles herrschende Vollmacht sehen wir, wie auch einer der bedeutendsten Engel, durch Stolz, es wagte, sich über den allmächtigen Gott zu erheben und sich weigerte ihn anzubeten.
Wir wissen aus dem 1 Johannesbrief Kapitel 3 Vers 8, dass diese Rebellion am ersten Schöpfungstag der Erde geschah. Denn wir lesen:
„8 Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an
und aus 1 Mose Kapitel 1 Vers 1 -3:
1 Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“
Als Adam am sechsten Tag zum Herrscher über die Erde gesetzt wurde (1Mos 1,28), wurde der Teufel mit Eifersucht erfüllt und versuchte Adam zu stürzen. Denn er allein wollte der Herrscher über der Erde sein. So wurde er getrieben von Hochmut und Neid zum Geist der stets den Willen Gottes verneint und sich darüber hinaus vorgenommen hat, den Menschen ewig von Gott zu trennen, indem er unter anderem die Absicht hat, den Menschen glauben zu lassen, er könnte Gott gleichgestellt sein.

(1. Moses 3.4)
„4 Und die Schlange sprach zu der Frau: Mit nichten werdet ihr sterben! 5 Sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esset, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.“  

Keine Unterwerfung, keine Demut. Das grundlegendste Problem der Trennung zwischen Gott und seinem Geschöpf. Der Mensch will von Natur aus nicht von Gott beherrscht werden, denn welch eine Freiheit ist es doch, Herrscher seiner selbst zu sein. Gott erschuf uns nach seinem Abbild, jedoch ist der Hochmut nicht geistlicher, sondern fleischlicher Natur. Daher soll man Gott für unsere verdorbene Natur nicht beschuldigen, denn da sich der Mensch gegen Gottes Gebot erhob und sich der Versuchung hingab, wurde der Mensch seit dem Sündenfall durch Adam in Sünde geboren und trägt daher selbst die Schuld. (Ps. 51,5; Hi 14.4;)

„5 Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich empfangen meine Mutter.“

Kain, Sohn Adams, der in der Bibel als ein Beispiel für Bosheit und Eigenwilligkeit dargestellt wird (1. Joh 3,12, Judas 11), wurde mit Sicherheit nicht in Unkenntnis erzogen, sodass er ungewiss, dem HERRN ein bedeutungsloses Opfer darbrachte. Eher war seine hochmütige Stellung Gott gegenüber ausschlaggebend, die die Tatsache ignorierte, dass Gott den Erdboden verfluchte (Mos 3.17). Denn in 1 Moses 4 Vers 3, lesen wir, dass bis zur dargebrachten Opfergabe Kains, ab der Geburt Abels, eine gewisse Zeit verging, in der er sich bewusst gegen Gottes Anspruch stellte.
Mit der Frucht seiner eigenen Arbeit versuchte er, Gott in seiner eigenen Person zu begegnen. Kain zeigt daher das gleiche Verhalten vieler Menschen, die glauben, Gott ohne Schuld und Sühne nahen zu können. Sie verwerfen die Tatsache, dass die Sünde in uns existiert und leben daher ein Leben voller Freiheit in Sünde; ohne jeglichem Bedürfnis Gott zu gefallen, was wiederum ein Spiegelbild, des heute praktizierenden, modernen Gottesdienstes und allen allgemeinen Religionen ist.
Kain missachtete die Notwendigkeit, dem HERRN, ein blutiges, Gott wohlgefälliges Opfer, darzubringen, welches ein Vorbild des stellvertretenden Opfers Jesu Christi ist. Er selbst fand an sich keine Schuld. Nur allein der Grimm war es, den er empfand, als Gott nicht auf seine Opfergabe sah, sondern den Blick auf Abels Opfer lenkte. Nur da senkte er sein Antlitz, getrieben von Hochmut und Neid, den ihn bis zur zerstörerischen Geisteshaltung trieb. Der Neid, der schlussendlich seine Vollendung in Mord fand.
In Betrachtung des Opfers von Abel, lesen wir im Hebräerbrief Kapitel 11 Vers 4, dass Abel durch Glauben ein vorzügliches Opfer darbrachte. Durch dies erlangte er Zeugnis und wurde von Gott als gerecht befunden. Im Kontrast zum wahren Glauben steht also der Unglaube. Hier wird nicht der Unglaube des natürlichen Menschen dargestellt, sondern der Unglaube der „Namenschristen“, die einen Schein der Gottseligkeit haben. So kann man daraus schliessen, dass der Begriff Unglaube, genauso einen Platz, in ihrem eigenwilligem Wandeln findet. (2.Tim 3, 5).

Gottes Reaktion auf Kains Unglaube und Hochmut folgte so, dass Kain fortan unstet und flüchtig auf Erden sein soll (1.Mos 4.12b). Jeder von uns führte ein unstetiges und flüchtiges Leben vor der Bekehrung. Noch heute verbirgt der Mensch sein Angesicht vor dem HERRN und flieht vor ihm. Um genau diesem Fluch zu entgehen, baute Kain eine Stadt, bestrebt das Leben so zu gestalten, um sein Gewissen betreffend des Mordes an Abel, zu ersticken. Kunst, Musik und Kultur, all diese Dinge formten die "Schönheit" der Stadt, die ein Spiegelbild des heutigen Menschen ist. Daher kann man sagen, die Menschheit geht den Weg Kains. Ein Leben ohne Gott. Der Hochmut ist also eine in uns seit Beginn der Menschheit wohnende Sünde (1.Mos 4.7).

1.2 Der Mensch und der Zerfall des wahrhaftigen Glaubens an Jesus Christus

Der moderne Mensch, ein Mensch, der Jahre hinweg die Selbstreflexion übt, und glaubt sich selbst entdeckt zu haben, lebt in fester Überzeugung, dass nur er selbst Einsicht über die Tiefe seines Wesens hat.
Denjenigen aber, denen dieses ziellose Vorhaben sich selbst zu definieren nicht gelingt, werden Hilfsmittel angeboten, durch diese sie weiterhin hoffen, sich zu finden. Doch, auch wenn sie sich einbilden zu glauben sich erkannt zu haben, haben sie sich geirrt, denn nur Gott selbst kann das (1 Kor 2,11). Denn wenn Gott den Menschen durch seinen Geist zieht und der Mensch in diesem Moment nachgibt, sogleich teilhaftig des Geistes wird, bleibt er nicht mehr geblendet von dem Geist der Verblendung (Joh. 6,44), sondern wird sich seiner sündhaften Natur bewusst und kennt daher sein wahres, zum Tode verurteiltes „ich“ vor Gott.
Vor Gott unseren Vater und Schöpfer aller Dinge, der in seiner Herrlichkeit über dem Menschen steht und weder Anfang noch Ende hat, sondern ewiglich in voller Macht über allem herrscht. Er ist ohne Anfang, weil er nicht geworden ist, unveränderlich, weil er unsterblich ist. Alles hat Gott aus dem Nichts ins Dasein gerufen, auf das man an seinen Werken, seine Grösse erkennen und ermessen kann. Gott, der all unsere Wege kennt und tief in unsere Herzen blickt und keiner seine Geheimnisse vor ihm verbergen kann.
In der Nachwirkung der Renaissance folgte der Mensch in seinem Drang zur Erhabenheit über Gott, dem zeitgenössischen Geist der Revolte gegen Gott, im 16. und 17. Jahrhundert. Im Frohsinn, dass der Mensch sein neues Bewusstsein über seine Existenz nun nicht mehr abhängig des christlichen Glaubens definieren musste, wurde das Individuum zu einem gottgleichen Wesen gemacht.
Der vollkommene Mensch besässe gemäss Ludwig Feuerbach (deutscher Philosoph und Anthropologe 1804-1872), die Kraft des Denkens, die Kraft des Willens und die Kraft des Herzens. Die Kraft des Denkens sei die Kraft der Erkenntnis, die Kraft des Willens die Energie des Charakters und die Kraft des Herzens die Liebe.
Vernunft, Liebe, Willenskraft sei Vollkommenheit und wären die höchsten Kräfte des absoluten Wesens und der Zweck des Menschen in seinem Dasein.

Genau diese Lehre wurde zu einem bedeutenden Einfluss für die Religionskritik, die grundlegend zur modernen Humanwissenschaft, wie zum Beispiel die Psychologie und Ethnologie, beigefügt hat. Gleich wie sich die Evolutionstheorie in unserem Herz verbirgt, so auch die Psychologie des 19. Jahrhunderts, die das „Ich“ so definierte, dass es keiner Notwendigkeit mehr bedarf dieses Denken, um zu modellieren. Gemäss dieser Definition scheint es als unmöglich, in Betracht zu ziehen, dass es vielleicht doch andere Ursprünge des Menschen geben könnte. Der Mensch brauchte Fakten und dies noch heute. Wer dies als eine Entwicklung der menschlichen Intelligenz begründet, ist sich dem nicht bewusst, dass dieser Wendepunkt, die Menschheit noch mehr in die abgründigen Tiefen der Lüge versetzte, denn Annahmen und Theorien, wurden zur Wahrheit. Lückenhafte Theorien, die bis heute nicht verdeutlicht werden können und in keiner Hinsicht einen klaren Standpunkt haben. Das Christentum beugte sich dieser Entwicklung, damals wie auch heute. Sind uns nicht diese Worte wie: „ Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott nach seinem Bilde» geläufig? Oder: « Der Mensch wird nur von zwei Realitäten bestimmt: von der Gesellschaft und von der Natur, wer an Gott glaubt, täuscht sich selbst“? Gestützt auf diesen Dingen wurde Gott immer entbehrlicher. Es folgte, dass Sexualität und Politik zum Brennpunkt des Daseins wurden, denn nur so könnte sich der Mensch in seine Natur verwirklichen. In allen Volksschichten verbreitete sich der naturwissenschaftliche Atheismus, durch die Schriften Ernst Haeckels (1834-1917) aus. Gottesglaube und naturwissenschaftliche Erkenntnis galten nun als miteinander unvereinbar. Durch diese gesellschaftliche Entwicklung wurde der Mensch zum Herrscher seiner selbst und der Gott suchende wurde zur unmündigen Person tituliert, die sich an einem hilfreichen Konstrukt des menschlichen Geistes bediene, dass dem Menschen in allen Belangen helfen könnte.

1.3 Neuzeitlicher Hochmut

Die heutige gesellschaftliche Entwicklung bietet dem Hochmut die beste Plattform dafür, um in vollen Zügen ausgelebt zu werden. Niemand kann abstreiten, dass das eigene Ich der Hauptakteur, in dem zu Lebzeiten inszenierenden Theaterstückes ist. Bereits hat das Individuum durch den Zeitgeist Jahre hinweg verschiedene Facetten entwickelt. Stets bereit, sich in verschiedenen Situationen so zu präsentieren, dass es dem Gegenüber ein Bild der Hochachtung hinterlässt, oder man versucht den gewünschten Ruhm von vielen Menschen, mit der heutigen möglichen Medienpräsenz zu erhalten. Bereits Marshall McLuhan (einflussreichster Medientheoretiker aller Zeiten) redete 1911 über eine Art Internet, das heute jedem die Möglichkeit bietet, berühmt zu werden. Er prophezeite die Erfindung der DVD und spekulierte über eine Öffentlichkeit, in der „jeder für 15 Minuten berühmt“ werden könne. Er schrieb sogar über den „Postmodernen Selbstdarsteller“. Ebenfalls aus seiner Feder stammt folgendes: „Wenn die Medienöffentlichkeit ins Wohnzimmer einfiele, schrieb er, dann würden sich die Menschen im Gegenzug selbst „veröffentlichen“, sie würden sich „umstülpen wie Amphibien“: den „Panzer nach innen“, die seelischen „Weichteile nach außen“. Zusammengefasst sind das die heutigen Menschen, die Ihr Privatleben jedem preisgeben und sich somit als Stars fühlen möchten. Auch wenn McLuhan als ein Selbstironiker und als ein guter „Performer“ betitelt wird, dessen Denken einige Hippieintellektuelle wie Timothy Leary inspirierte, der ebenfalls ein Werkzeug Satans war, können wir rückblickend auf seine Aussage daraus schliessen, dass er recht hatte.
Wer heute, auch als ein gläubiger Christ, diesem teuflischen Werk nachfolgt, sollte sich der Absicht des Teufels, sich selbst zu verherrlichen bewusst sein und es meiden solche Dinge „anzutasten“ (z.B. viele Selfies in Facebook, Twitter, Instagramm) usw.…(2.Kor. 6.17 )

„17 Darum gehet aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab ( von der Welt trennen ), spricht der Herr, und rühret Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen.“
               

Leben wir heute nicht in einer Zeit, indem den Kindern, die Selbstverherrlichung bereits in die Wiege gelegt wird. Selten gibt es heute noch Kinder, die in ihrem zukünftigen Leben die Möglichkeit besässen, durch autoritäre Erziehung der Eltern ein Leben unter der Autorität Gottes zu führen. Denn zu früh wurde dem Kinder die Möglichkeit gegeben,  ihre eigenen Entscheidungen durchzusetzen, als kämen sie von einem Erwachsenen selbst. Die gesellschaftliche Entwicklung, Wirtschaft und Medien, haben eine Müdigkeit der Eltern forciert, in dem sie die okkult indoktrinierten Kinder nicht mehr kontrollieren können. Eine Müdigkeit, die durch das antiautoritäre Wesen der Kinder, keine Kraft mehr besitzt um im Kampf der Rebellion zu bestehen.
Dies scheint nicht in jedem Elternhaus so zu sein, jedoch bestimmt die Mehrheit die Zukunft. Wenn wir aber den Zeitlauf der Gesellschaft betrachten, sehen wir, dass die Mehrheit nie eine optimistische Entwicklung hervorgebracht hat. Auch viele bekennende Christen fügen sich dem Zeitlauf der Welt und haben bereits den Wunsch Gottes, Kinder nach seinem Wohlgefallen zu erziehen, sodass sie eben seine Ratschlüsse nicht als Qual oder Zwang empfinden, sondern Freude an seinem Gesetz haben, verworfen und es sich einfach gemacht, indem sie ihre Kinder von der Welt erziehen lassen.
So wachsen also die Neuzeit Kinder auf, welche vom Zeitgeist geleitet, schwerwiegende Probleme haben werden, sich Gottes Wort unterzuordnen. Doch bereits sehen wir ein weiteres grosses Werk des Teufels, die Bibelkritik, die der modernen Theologie die Erlaubnis gibt, Gottes Wort subjektiv zu hinterfragen. Das heisst: Gottes Wort aus der „Ich-Perspektive“ zu lesen, indem man Gottes Absolutheitsanspruch und die Unfehlbarkeit der Bibel nicht akzeptiert. Wir lesen aber deutlich im 2.Timotheusbrief 3.16

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit.“

Wer also der Schrift Fehlbarkeit oder zeitlich ungültige Verse zuschreibt und dadurch nicht dem Wort in allen Belangen folgt, wird nicht den von dem HERRN verheissenen Segen bekommen. Wie soll oder will unser HERR seinen Weg für uns bahnen, wenn wir stets seinen Geist betrüben? Wurde nicht auch Abraham auf seinem Weg von Missständen geprägt, unter anderem, weil er sich nicht vom Vaterhaus trennte?
Abraham musste sich einigen Prüfungen Gottes fügen, aber seinen eigenen Sohn für Gott zu opfern war das höchste Mass an Prüfung. Hier wird ersichtlich, wie Liebe und Treue miteinander tief verbunden sind und man nur durch diese Dinge göttlichen Segen empfangen kann (1.Mos. 22.1-3).