Dankbarkeit


3.1 Das Werk Golgatha

Nach der Bekehrung, sollte sich der bekennende Christ immer wieder bewusst sein, dass Jesus Christus, uns durch sein Blut mit dem Vater versöhnt hat. (Röm 5,10). Wir sollten uns bewusst sein, dass wir den Schmerz, den er unseretwegen erlitt, nicht fassen können. Gekreuzigt mit all dem Hohn der Menschen und vom Volk verachtet (Ps. 22,6), doch sie fanden keine Schuld an ihm. Sicher ist es dem HERRN eine Freude, wenn wir seiner gedenken und ihm Dank für sein vollbrachtes Werk ausschütten. Doch wie viel mehr danken wir dem HERRN, wenn wir das Leid des Herrn Jesus genauer betrachten und uns ein Bild der vollstreckten Hinrichtung machen. Schon allein dies lässt einen erkennen, dass der sündhafte Mensch die Gnade nicht verdient hat (Matth 6,14).
In der dritten Stunde, als die Finsternis über das ganze Land herrschte , wurde Jesus Christus von einem heiligen und gerechten Gott zur Sünde gemacht und mit unseren Sünden beladen. Gott musste sich in diesen drei Stunden von Ihm abwenden und Ihn verlassen (Ps 22,1). Daher rief er: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, warum Gott in verlies? Weil ihn eben Gott zur Sünde machte und Gott mit der Sünde keine Gemeinschaft haben kann. Dieses Sündopfer war notwendig, um unsere Sünden vor den Augen Gottes in Ewigkeit zu entfernen (Ps 103,12). Nun wird Er der Sünden der Gläubigen nie mehr gedenken (Heb 10,17). Was Jesus zu Gott bei der Kreuzigung sagte, lesen wir in im Psalm 22.6-7

„6 Ich aber bin ein Wurm (Phil 2.6) und kein Mann, der Menschen Hohn und der vom Volke Verachtete. (Psalm 25.2-3) 7Alle, die mich sehen, spotten meiner; sie reißen die Lippen auf, schütteln den Kopf:“

„Ich aber bin ein Wurm…“
Selbst bis in den Tod erniedrigte sich Jesus Christus vor Gott. Welcher Mensch würde sich in diesem schrecklichen Leiden weiterhin erniedrigen? Kein Mensch könnte dies, denn wie wohl würde der Mensch die Täter hassen, die einem solch ein schlimmes Mass an Schmerzen zufügen würden. Jesus Christus litt unter sehr schlimmen Schmerzen und genau von diesem sollte man sich ein Bild machen. Dazu betrachten wir die Kreuzigung:

Der Tod durch die Kreuzigung zählte zu den schlimmsten Foltermethoden der Welt. Cicero nannte sie „die grausamste und scheusslichste aller Foltern“. Will Durant schrieb, dass „selbst die Römer die Opfer bemitleideten “2 und selbst Flavius Josephus, der jüdische Historiker, der ein Berater des Titus während der Belagerung Jerusalems war, nannte sie als die „erbärmlichste Todesart“.3 Weil gerade diese Tötung im Grunde nur in politischen Fällen verhängt wurde, bestätigt der Vers 2 im Lukasevangelium Kapitel 23 genau diesen Vorwurf.

2 Sie fingen aber an, ihn zu verklagen, indem sie sagten: Diesen haben wir befunden als einen, der unsere Nation verführt und wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagt, dass er selbst Christus, ein König, sei.“

Als das Urteil der Kreuzigung fiel, führte man Jesus Christus an einen Pfahl im Gerichtshof, an dem Kriminelle entkleidet und anschliessend im schlimmsten Mass gegeißelt wurde. Das Flagrum (die Peitsche), hatte einen festen Griff an dem Lederriemen von unterschiedlicher Länge und war mit eingewebten scharfzackigen Knochen und Bleistücken befestigt. Auf strikte Einhaltung des Gesetzes der Juden folgten 40 Schläge. Da die Römer solche Einschränkungen nicht kannten, ignorierten sie wohl dies und taten es nach ihrem Wohl.
Der Arzt Dr. C. Truman Davis untersuchte den Vorgang einer Kreuzigung eingehend medizinisch und beschrieb die Wirkung des Flagrums so:

„Die schwere Peitsche wird immer wieder mit voller Kraft über Schulter, Rücken und Beine geschlagen. Zuerst schneiden die schweren Riemen nur durch die Haut. Dann, wenn die Schläge fortgesetzt werden, schneiden sie tiefer in das subkutane Gewebe und rufen zuerst Blutungen aus den Kapillaren und Venen der Haut hervor. Schließlich spritzt Blut aus den Arterien der darunterliegenden Muskeln. Die kleinen Bleiklumpen rufen zuerst große, tiefe Quetschungen hervor, die durch nachfolgende Schläge aufbrechen. Schließlich hängt die Haut des Rückens in langen Streifen herab, und der ganze Körper ist eine unkenntliche Masse von aufgerissenem, blutendem Gewebe. Wenn der Zenturio vom Dienst feststellt, dass der Gefangene dem Tode nahe ist, werden die Schläge eingestellt.4

Welch ein Leiden, das kaum messbar ist, doch der HERR liess uns teilhaben an seinem Leid, in dem er über sein Leid sprach– siehe Jesaja 50.6
«Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel

Im Spott wurde dem HERRN Jesus Christus die Dornenkrone aufgesetzt, deren Zweige steif wie Nägel oder Stacheln sind. Die Dornen sind ein Symbol des Fluches, der durch die Trennung von Gott auf den Menschen liegt (1Mos 3.18). Genau diesen Trug Jesus Christus für uns auf seinem Haupt, bis zum Tod.
Sie gaben Ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugte sich vor Ihm und sprachen: „ Sei gegrüsst, König der Juden!“ Da spien sie Ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt, um ihm weitere Schmerzen hinzuzufügen (Matt. 27,30). Diese Krone wurde dem einzig allein sündlosen Menschen zum Spott aufgesetzt, jetzt aber ist unser HERR Jesus Christus mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, weil er sich selbst bis zum Tod im gehorsam in allem erniedrigte. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist (Phil 2,7-9).

Nachdem man Ihm den Purpurmantel ausgezogen hat, zogen sie Ihm seine Kleider an und führten Ihn hin, um ihn zu kreuzigen und zwangen Ihn den Querbalken (Patibulum)zu tragen, der bis zu ca. 50 kg wog5.
Das, was wir im Markusevangelium Kapitel 8 Vers 34b lesen„…Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach“ bedeutet nicht, dass wir „unser eigenes Kreuz“ tragen sollten, sondern dass wir das, durch die Welt hinzugefügte Leid wie Widerstand, Missgunst oder Verachtung seines Namenss wegen, in Liebe zu Jesus Christus ertragen sollten. Denn wir wurden nicht nur In Bezug auf Jesus Christus gewürdigt an Ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden (Phil 1,29).
Mann beugte seine Knie und für die Oberschenkel wurde ein Sitz, sedecula genannt, am Kreuz befestigt. Dies diente dazu dem Opfer die Atmung zu beschwerlichen, indem durch die Ermüdung der Oberarme, die unter starken Muskelkrämpfen litten, die das Aufrichten kaum
ermöglichten, weil dadurch die Brustmuskeln und die zwischen den Rippen liegenden Muskeln nicht mehr arbeiten konnten. Die Luft kann in die Lungen eingesogen, aber nicht mehr ausgeatmet werden. Der Gekreuzigte kämpft, um sich aufzurichten und dadurch wenigstens einen kurzen Atemzug tun zu können.7 Daher ist es nun klarer, weshalb die Römer dem Opfer die Beine brachen, um eben genau solchen Tot zu beschleunigen, wenn die Zeit drängte. Nun mal mehr wurde eine alttestamentliche Prophetie erfüllt, dass die Beine des Messias nicht gebrochen werden (Ps 34,21.).

Er bewahrt alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen.

Um genau zu verstehen, warum Gott Jesus davon verschonte wurde, muss man die Satzungen des Passahfests betrachten. Man opferte ein reines Lamm, dem keine Beine gebrochen werden durften, sondern man brachte es unversehrt dem HERRN als Opfer dar. Das Passahfest ist ein Hinweis auf Christus (vgl. 1. Kor 5,7) und Jesus Christus ist das Lamm, das zur Schlachtung gebracht wurde. Am Nachmittag, des 14 Nissans, nach dem täglichen Nachmittagsopfer und nach der Nachmittagspflege der Lampen (der Menora) wurde im Vorhof des Tempels geschächtet an einem beliebigen Ort. Genau das trifft auf unseren Herrn Jesus zu, denn um 9. Uhr wurde er gekreuzigt, was den Morgenbrandopfern entspricht und um 15.00 Uhr starb er, was den Abendbrandopfern gleichkommt. Ein reines Opfer, das stellvertretend für einen starb. Welchen Schmerz Jesus empfand, als sie ihm an der Vorderseite beider Handgelenke, die schweren schmiedeeisernen Nägel 6 schlugen, lässt sich nicht einfach ermessen. Doch im Psalm 22 Vers 16 – 17 lesen wir:

16 Denn Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt. Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben; 17 Alle meine Gebeine könnte ich zählen. Sie schauen und sehen mich an;“

Da er alle seine Gebeine zählen konnte, lässt sich nun daraus schliessen, dass keine Linderung der Schmerzen durch Schock folgte, sondern dass er jeden einzelnen Schmerz wahrgenommen hat und gleichzeitig seines Vaters gedachte. Ein weiterer Hinweis auf sein Leiden, der exakt das beschreibt, was aus medizinischer Sicht über die Kreuzigung gesagt wird, findet man im Psalm 22 Vers 14:

„Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt; wie Wachs ist geworden mein Herz, es ist zerschmolzen inmitten meiner Eingeweide. „            

In all diesem Leiden wurde unser Heiland – Gott noch weiterhin auf derbste verpönt. Sie warfen ihm noch einmal vor, sich selbst Sohn Gottes genannt zu haben und verlangten von ihm sich selbst zu retten. Wie schlimm, dass der Mensch sich willig über Gott erhob und es wagte, Gott zu reizen. Dies tut er heute noch. Wie schlimm, dass bis heute Zigtausende von Menschen den Tod Jesu Christus nicht als ein Werk der Liebe Gottes anerkennen und weiterhin sich der Genugtuung hingeben, dass sie selbst Richter über ihr Leben sein können. Nicht wissend, dass sie sich somit ihr eigenes Urteil des Verderbens gefällt haben.
Als nun ab der sechsten Stunde (12 Uhr) eine Finsternis die bis zur neunten Stunde (15 Uhr) über das ganze Land kam 8, schrie Jesus auf mit lauter Stimme und sagte: Eli, eli, lama sabachthani? Gott verliess seinen Sohn, weil er ihn zur Sünde machte. Jesus letzte Worte waren: „es ist vollbracht!“ Vollbracht das, was Gott seit dem Sündenfall für den Menschen vorbereitet hat, nämlich seinen eingeborenen Sohn hinzugeben, um durch ihn das ewige Leben zu bekommen.

3.2 Undankbar
Ein jeder hat das Bedürfnis ein schöneres Leben nach dem Tod zu erhalten, denn Gott selbst hat den Menschen dieses Bedürfnis ins Herz gelegt.

(Pred. 3,11).
„11 Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, welches Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag.
Aber der Mensch stützt sich auf das begrenzte Mass an Vernunft und Verstand und masst sich an, volle Erkenntnis über alle Dinge zu haben, die er aber leider nie fassen kann. Der postmoderne Mensch könnte an Gott glauben, dass will er aber nicht, denn durch seinen Verstand, bildet er einen begrenzten Raum, in dem Gott existieren müsste. Aber allein das Herz und dessen Haltung, ist der Schlüssel zur Wahrnehmung Gottes, jedoch sieht sich der Mensch nicht dazu verpflichtet, sein Herz Gott zu geben, der sich nichts Weiteres mehr als dies von uns wünscht. Mehr könnten wir ihm auch nicht geben. Nicht nur gottlose Menschen haben dieses Problem, sondern auch viele Christen, die, obwohl sie den Herrn Jesus bekennen, keine wahrhaftige Dankbarkeit, für das vollbrachte Werk haben. Folgende Umstände können dies auslösen: wenn bereits vor der Bekehrung, wie bereits erwähnt, ein christlich, familiäres Leben geführt wurde und man die Notwendigkeit der wahrhaftigen Busse nicht in den Vordergrund stellt, sodass man dadurch annimmt, dass weil der Glaube schon immer Bestandteil des Lebens war, es keine Erneuerung benötigt. Ebenfalls oder so ziemlich sicher wird es zweitrangig, Gott für sein Werk, seiner Gnade Dank und Ehre zu geben, wenn der „Namenschrist“ den Heiligen Geist betrübt und demzufolge sein Wirken verhindert. Der Heilige Geist ist betrübt, wenn der Christ dem Geist es selbst nicht erlaubt, sich in unseren Handlungen zu äussern. Jene aber, die dem HERRN die Ehre geben, haben den grundlegenden Fakt, dass die Gnade ein über alle Masse unverdientes Geschenk Gottes ist, tief in ihrem Herz verankert. Doch woher kommt solche eine Kenntnis? Meistens daher, weil ihr altes Leben in keiner Hinsicht fromme Züge beinhaltete. In einigen Fällen wurde über ein hohes Mass gesündigt, sodass man diese Sünden nicht vergessen kann und genau diese Erinnerungen zu Wunden werden, die man fast nicht heilen kann.
Fast, weil durch Jesus Christus alle Hürden überwindbar sind, wenn sich die Liebe zu ihm auf wahrer, selbstverleugnerischer Hingabe stützt und eben durch diese Liebe, der Segens Gottes folgt, in dem man geleitet von seinem Geist, nicht mehr zur linken oder zur rechten wankt, sondern stets auf seinem Weg verharrt.
Diese Wunden können zweierlei Dienst an einem wiedergeborenen Christen tun. Entweder sie dienen zur Erinnerung, welch hohen Preis Jesus Christus für uns bezahlt hat, was zu einer wahrhaftigen Dankbarkeit führt, oder sie werden zur Schlinge, die einen daran hindern, geistlich zu wachsen, weil wir uns einbilden, niemals davon befreit zu werden. Ein teuflischer Sieg! Denn wenn die Erinnerung, an schlimme Sünden einen stets begleitet, und man sie selbst immer wieder begeht, beginnt man an dem geistlichen Wachstum zu zweifeln. Geprägt von einem Gefühl, dass man von der Sklaverei der Sünde nicht befreit wird, weil alles Flehen oder Bitten zu Gott nicht geholfen hat. Und so kommt es in vielen Fällen dazu, dass eine wahrhaftige Dankbarkeit keinen Raum in einem von Gott gewünschten geistlichen Leben stattfindet, weil der verheissene Segen, des grossen Werks Gottes nicht eintritt und somit dieses zu einem nutzlosen Werk gemacht wird.